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Waldbaden III

Er hatte den Krieg nie selbst erlebt, aber die Geschichten seiner Großeltern verfolgten ihn. Sie hatten von Bomben und Hunger, von Verlust und Angst erzählt, und diese Geschichten hatten tiefe Spuren in seiner Seele hinterlassen. Nun, in einer Zeit der politischen Spannungen und globalen Unsicherheit, wuchs seine Angst vor einem kommenden Weltenbrand. Um seinen beunruhigten Gedanken zu entkommen, suchte er wie immer Zuflucht im Wald, einem Ort der Ruhe und Besinnung.

Eines Nachmittags, als der Himmel sich in warmen Orangetönen färbte, wanderte er tief in den Wald hinein. Der Pfad führte ihn zu einer abgelegenen Lichtung, wo die Vögel leise zwitscherten und der Wind sanft durch die Bäume strich. Er setzte sich auf einen moosbedeckten Stein und schloss die Augen, um die beruhigende Atmosphäre in sich aufzunehmen.

„Warum bist du so besorgt?“ fragte eine tiefe, beruhigende Stimme. Der Mann öffnete die Augen und blickte sich überrascht um, doch niemand war zu sehen.

„Wer spricht da?“ fragte er mit leiser Stimme.

„Ich bin der Wald,“ antwortete die Stimme, die nun wie das Flüstern der Blätter klang. „Was bringt dich hierher in solch tiefer Sorge?“

Er seufzte und legte die Hände in den Schoß. „Es sind die Geschichten meiner Großeltern,“ begann er. „Sie haben den Krieg erlebt und die Schrecken, die er mit sich brachte. Jetzt sehe ich, wie die Welt erneut in Konflikte und Spannungen gerät, und ich fürchte, dass ein neuer Weltenbrand bevorsteht.“

Der Wald schwieg einen Moment, bevor er sprach. „Die Geschichten der Vergangenheit tragen schwere Lasten,“ sagte er. „Doch die Zukunft ist noch ungeschrieben. Warum lässt du die Angst vor ihr dein Herz beschweren?“

„Es ist schwer, nicht besorgt zu sein,“ antwortete der Mann. „Die Zeichen sind überall – politische Unruhen, Hass, Gier, Hetze, Kriegstreiberei und Politiker, die dem Waffenlobbyismus frönen. Es fühlt sich an, als ob die Welt auf einem Pulverfass sitzt, bereit zu explodieren.“

„Angst ist ein mächtiger Schatten,“ sagte der Wald sanft. „Doch sie darf nicht dein Leben bestimmen. Die Bäume um dich herum haben viele Stürme überstanden. Sie lehren uns Geduld und Beständigkeit. Was kannst du von ihnen lernen?“

Der Mann blickte zu den hohen Bäumen auf, deren Blätter im Licht der untergehenden Sonne glitzerten. „Vielleicht,“ sagte er langsam, „dass ich nicht alles kontrollieren kann. Dass ich Vertrauen haben muss in die Fähigkeit der Natur und der Menschen, sich zu erneuern und zu widerstehen.“

„Genau,“ murmelte der Wald. „Die Geschichten deiner Großeltern sind ein Zeugnis der Stärke und des Überlebens. Aus der Asche des Krieges sind neue Hoffnungen und Leben entstanden. So wie der Wald nach einem Feuer wieder wächst, kann auch die Menschheit aus ihren Prüfungen stärker hervorgehen.“

„Aber wie kann ich einen neuen Weltenbrand zu verhindern?“

„Beginne bei dir selbst,“ sagte der Wald. „Pflege die Samen des Friedens und der Gerechtigkeit in deinem Herzen und in deinem Handeln. Teile diese Werte mit anderen, inspiriere und ermutige sie. So wie ein einzelner Baum den Wind nicht aufhalten kann, aber ein Wald ihn zähmen kann, so kann auch deine Stimme Teil eines größeren Chors des Wandels sein.“

Der Mann fühlte eine Welle der Erleichterung durch sich strömen. „Vielleicht hast du recht. Vielleicht kann ich etwas bewirken, wenn ich andere ermutige, dasselbe zu tun.“

„Du bist nie allein,“ flüsterte der Wald. „Die Natur, die Gemeinschaft und die Geschichten der Vergangenheit sind immer bei dir. Lass sie dich leiten.“

Der Mann erhob sich und atmete tief durch. „Danke, mein Freund. Ich werde deinen Rat beherzigen.“

Mit einem neuen Gefühl der Zuversicht machte er sich auf den Weg zurück auf den Hof. Der Wald hatte ihm nicht nur Trost, sondern auch Hoffnung und eine Richtung gegeben. Während er die vertrauten Pfade verließ, wusste er, dass die Zukunft ungewiss war, aber er war bereit, ihr mit Mut und Entschlossenheit entgegenzutreten. In der Stille des Waldes hatte er die Kraft gefunden, die er brauchte.

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